In der Nacht zum 11. Mai 2024 hatte ich eigentlich vor, ganz gewöhnlich den Sternhimmel zu fotografieren. Das Teleskop stand bereits aufgebaut draußen, als mir auffiel, dass der Himmel eine ziemlich verdächtige rote Färbung angenommen hatte. In unseren Breiten denkt man dabei zunächst eher an Lichtverschmutzung als an Polarlichter – diesmal war es aber tatsächlich der Himmel selbst.
Die Sonne befand sich zu dieser Zeit bereits in der Maximumsphase ihres aktuellen Aktivitätszyklus. In dieser Phase treten starke Sonneneruptionen häufiger auf. Mehrere koronale Massenauswürfe hatten kurz zuvor das Erdmagnetfeld getroffen und einen extremen geomagnetischen Sturm ausgelöst. Dadurch dehnte sich das Polarlichtoval ungewöhnlich weit nach Süden aus, sodass die Polarlichter selbst über dem Erzgebirge mit bloßem Auge zu erkennen waren.
Für die Beobachtung war das natürlich ein seltener Glücksfall. Für die eigentlich geplante Astrofotografie war der rot leuchtende Himmel hingegen eher störend. Es gibt allerdings deutlich schlechtere Gründe, eine Aufnahmeserie zu unterbrechen.
Also schnappte ich mir ziemlich überstürzt Kamera, Weitwinkelobjektiv und Stativ und rannte nach draußen. So entstanden sowohl ein Foto meines bereits aufgebauten Teleskops unter dem Polarlicht als auch die Aufnahme des Feldwegs gleich bei mir um die Ecke. Keine Reise nach Lappland, keine lange Vorbereitung – nur ein unerwartet roter Himmel über dem Erzgebirge und ein etwas hektischer Ausflug auf den nächsten Acker.

